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Jutta Leutgeb Januar 1999
1. SPS Marzahn (L)
Grundschule unter dem Regenbogen
Klasse 2a

Entwurf für eine Unterrichtsstunde im vorfachlichen Unterricht
(Musisch–Ästhetische Erziehung), Lernbereich Kunst

1 Planungszusammenhang

1.1 Thema der Unterrichtseinheit

Zeichnen mit Fineliner: Charakterisierung von Flächen durch verschiedene graphische Strukturen (Teil 1)

1.2 Gliederung der Unterrichtseinheit

1. Std.: Zeichenexperimente mit dem Fineliner

2. Std.: "Ullis Katze im Koffer" – Gestalten der Katze durch sachrichtige Kontur und Strukturierung von Fell und Augen.
3. Std.: "Ullis Katze im Koffer" – Gestalten des Hintergrundes durch Herausarbeiten der Oberflächenstruktur verschiedener Materialien.

2 Lernziele

2.1 Intention der Unterrichtseinheit

Die Schülerinnen und Schüler

  • erkennen, erproben und beschreiben Darstellungsmöglichkeiten verschiedener Materialien
  • erweitern ihren Zeichen– und Formenbestand
  • verstärken ihre Sensibilität für die Beschaffenheit der sie umgebenden natürlichen Materialien
  • üben sich in kooperativen Arbeitsformen, indem sie Arbeitskontakte zueinander aufnehmen
  • üben sich im sach– und partnerbezogenen sprachlichen Handeln.

2.2 Stundenziel

Die Schülerinnen und Schüler zeichnen mit Fineliner Oberflächenstrukturen unterschiedlicher Materialien.

2.3 Teilziele

Die Schülerinnen und Schüler

  • nehmen die Unterschiede der Oberflächenstruktur verschiedener Materialien wahr, indem sie die Materialien befühlen, betrachten und ihre Beobachtungen verbalisieren
  • erproben sich in der Darstellung der Oberflächenstruktur verschiedener Materialien, indem sie möglichst naturgetreu graphische Strukturen zeichnen und nach Bedarf die dafür angebotenen Hilfen nutzen.

3 Didaktisch – methodische Vorüberlegungen

Im Mittelpunkt der Stunde steht die Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit der Oberflächenstruktur unterschiedlicher Materialien. Die Auseinandersetzung erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen: tasten, betrachten, darüber sprechen und schließlich zeichnen. Es steht ein sorgfältig ausgewähltes Angebot an natürlichen, das Auge und den Tastsinn stimulierender Materialien zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler sollen in ihrer "Sinnlichkeit" und ihrem individuellen Wahrnehmungs– und Ausdrucksvermögen gefördert werden. Dabei ist zu beachten, dass die Verbindung von sinnlicher Erfahrung und Sprache, also zum Beispiel das differenzierte Sprechen darüber, wie sich Fell anfühlt und welche Unterschiede bezüglich der Haarlänge und Haarbeschaffenheit man bei den verschiedenen Fellstücken beobachten kann, sehr anspruchsvoll ist. Es sollen daher bei der Beschreibung der Felle folgende Eigenschaften genügen: lange – kurze Haare, gerade – lockige Haare. Trotzdem erscheint mir das Verbalisieren der Beobachtungen sehr wichtig, weil dadurch Unterschiede deutlicher werden und den Schülerinnen und Schülern die Strukturen der Materialien klarer werden. Das ist die Voraussetzung für die Phase der Exploration bzw. Produktion. Diese Erarbeitung soll exemplarisch an zwei Materialien (Fell und Stoff) im Sitzkreis erfolgen. Zwei oder mehr Kinder machen in der Mitte des Stuhlkreises Zeichenversuche, um die Aufgabenstellung und mögliche Problemlösung für alle Kinder zu verdeutlichen. Die Nutzung der Tafel wäre meiner Ansicht nach weniger geeignet, da erst der Stuhlkreis in einen Stuhlhalbkreis aufgelöst werden müsste und die Schülerinnen und Schüler sowieso mit Stift und Papier mehr in ihrem "Element' sind.

Die praktische Arbeit der Schülerinnen und Schüler findet an Gruppentischen statt (4–6 Kinder). Somit sind die Materialien den Kindern gut zugänglich und die Möglichkeit der Kooperation und des Austausches ist gegeben. Als Lernhilfe stehen den Schülerinnen und Schülern Kopien von Materialien, die eine kompliziertere Struktur aufweisen, zur Verfügung. Bei der Formulierung der Arbeitsanweisung durch die Lehrerin soll auf diese Hilfen nur kurz hingewiesen werden, denn es ist anzunehmen, dass vielen Kindern die Materialien genügen, um zum Zeichnen zu kommen. Die Kopien können insofern eine Hilfe sein, weil sie die Dreidimensionalität der Objekte auf die Zweidimensionalität eines Bildes reduzieren. Die Schülerinnen und Schüler benutzen vorbereitete Blätter, damit sie gleich zu ihren Zeichen–Experimenten kommen können. Das Ausfüllen des ganzen Blattes ist nicht gefordert!

Die Präsentation und Auswertung der Ergebnisse stellt einesteils die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler ins Zentrum der Aufmerksamkeit und dient der Sicherung, andernteils ergeben sich weitere Lernchancen. Jedoch wird diese Phase im Verhältnis zur zweiten und dritten Phase kurz gehalten. Wahrnehmungen zu den Schülerarbeiten können die Problemstellung zu Beginn der nächsten Kunststunde erneut in den Blick nehmen (Reaktivierung der Beobachtungen und Erkenntnisse).

4 Literatur

Grünewald, D. / Damm, M.– Spielerisches Zeichnen. Lockerungsübungen. In– Kunst und Unterricht. Heft 229 / Januar 1999.

Knauf, Tassilo und Anne– Nachdenken über Kunstunterricht. In– Mit Kindern Kunstunterricht machen. Hrsg.– Knauf, Anne und Tassilo. Baltmannsweiler 1997.

Senatsverwaltung für Schule, Berufsbildung und Sport: Vorläufiger Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Grundschule. Fach Bildende Kunst. Berlin 1991.

Unterrichtsideen. Anfangsunterricht Kunst. 1. und 2. Schuljahr. Hrsg.– Burkhardt, H./ Hüttenmeister, H./ Scholler, D. u.a. Stuttgart 1997.

5 Verlaufsplanung

1. Phase– Einführung, ca. 3 Min. Sitzkreis

– Begrüßung, Herstellen einer Arbeitsatmosphäre – Ln knüpft durch Erinnerung an das Kinderbuch "Die Eisenbahn–Oma" an bisherige Arbeit im LB Deutsch an und leitet durch ein kurzes Weitererzählen der Geschichte zur neuen UE über. – Medien.– Stofftier (Katze)

2. Phase– Problemstellung und Aufgabenstellung, ca. 17 Min. Sitzkreis

– Sch fühlen und betrachten Fellstücke
– Sch beschreiben unterschiedliche Felle in Kleingruppengesprächen und im Plenum
– Sch fühlen und betrachten Stoffstücke und sprechen Kleingruppen darüber.

– Aufgabenstellung für die Stunde: Zeichnen mit schwarzem Fineliner
– gemeinsames Erarbeiten von zwei Beispielen: Struktur von Fell und von Stoff
– einige Sch zeichnen die Struktur der beiden Beispiele

Arbeitsanweisung für die folgende Phase
– Darstellen von verschiedenen Strukturen auf vorbereiteten Blättern
– Einzelarbeit mit gegenseitiger Hilfe bzw. Beratung
– Hinweis auf vorbereitete Hilfen

Medien: Fellstücke, grober Stoff, Gestricktes, Sand, Holzstücke, Steine, Papiere, Edding–Stift

3. Phase: Exploration / Produktion, ca. 15 – 20 Min. Einzelarbeit an Gruppentischen

– Sch betrachten und befühlen die angebotenen Materialien
– Sch entscheiden sich für bestimmte Materialien
– Sch erproben die Darstellung der Materialien
– Sch nutzen nach Bedarf die vorbereiteten Hilfen
– Ln gibt diff. Hilfen für einzelne Sch

Ln bietet für sehr schnell arbeitende Kinder eine Zusatzaufgabe an.– Zeichnen der
Oberflächenstruktur eines ertasteten Gegenstandes

Medien: Materialien (s.o.), Fineliner, vorbereitete Blätter, Kopien der Materialien, eventuell eine Lupe, Fühlsäckchen mit Muschel.

4. Phase: Auswertung, ca, 5 – 10 Min. Sitzkreis

Sch zeigen ihre Arbeiten
– Sch versuchen die Zeichnungen den realen Materialien zuzuordnen
Fragestellung: Wie genau wurde die Struktur dargestellt?
– Sch äußern sich zu ihren Schwierigkeiten mit bestimmten Materialien.
Fragestellung– Welche Struktur kann man durch genaues Betasten und Ansehen
entdecken?
– Ln gibt Ausblick auf weiteres Vorhaben.

Medien: Materialien (s.o.), Arbeiten der Schülerinnen und Schüler