Janke, Anneke
Interkulturelle Musikerziehung - dargestellt an einer Unterrichtsreihe zur Westafrikanischen Musik unter Akzentuierung der Entwicklung von Toleranz und Offenheit gegenüber dieser Musikkultur durchgeführt in einer 7. Klasse der Georg-Weerth-Oberschule
Einleitung
Durch die Vereinigung Europas, Prozesse der Globalisierung und die mediale Vernetzung der gesamten Welt verwischen zunehmend Landes- und damit auch Kulturgrenzen. Gleichzeitig zeigen fremdenfeindliche Gewalttaten in alarmierender Weise die Schwierigkeiten einiger Menschen im Umgang mit den Fremden. Da sich unter diesen Gewalttätern ein hoher Anteil Jugendlicher befindet, erlangt die Erziehung zu Toleranz und Offenheit gegenüber fremden Kulturen eine immer größere Bedeutung im Schulalltag. Dies spiegelt sich auch in der Vielzahl der Veröffentlichungen, die mit dem Begriff des Fremden innerhalb (und auch außerhalb) der Pädagogik in Zusammenhang stehen (vgl. Vogt 1998, S.3)*
Auch der Musikunterricht kann im Rahmen Interkultureller Musikerziehung einen Beitrag zur Toleranzerziehung leisten. Meine Arbeit will untersuchen, ob es durch eine Unterrichtseinheit, die den Grundprinzipien Interkultureller Erziehung folgt, möglich ist, die Einstellung der Schüler in Richtung der Entwicklung von Toleranz und Offenheit gegenüber dem behandelten Unterrichtsgegenstand zu modifizieren. Dabei ist es zunächst notwendig, die Grundprinzipien der Interkulturellen Erziehung anhand ihrer historischen Entwicklung offen zu legen und das Problemfeld mit Hilfe von Schlüsselbegriffen zu erhellen, um daraus die Bausteine Interkultureller Erziehung abzuleiten. Die pädagogischen Grundgedanken auf den Musikunterricht zu übertragen, erfordert eine Auseinandersetzung mit dem Musikbegiff in unserer Kultur, aber auch mit der Entstehung von Einstellungen gegenüber Musik, um die es ja in dieser Arbeit geht. Ich versuche aus der historischen Entwicklung der Interkulturellen Musikerziehung die wichtigsten Methoden herauszukristallisieren und auf ihre Eignung für die vorliegende Unterrichtseinheit zu prüfen.
Die Unterrichtseinheit im Rahmen Interkultureller Musikerziehung wird in der vorliegenden Arbeit am Beispiel der Musik Westafrikas durchgeführt. Diese Musik erfreut sich nicht nur in den musikpädagogischen Veröffentlichungen der letzten Jahre ständig zunehmenden Interesses (vgl. Schütz 1996a), sondern ich selbst konnte im Rahmen meines Studiums an der HdK Berlin, bei einer Studienreise unter Leitung von Prof. Thomas Ott nach Gambia 1995 und zahlreichen Workshops unter der Leitung des Meistertrommlers Famadou Konaté aus Guinée mit dieser Musik Erfahrungen machen. Außerdem hat mir ein mehrwöchiger Aufenthalt in verschiedenen Ländern Westafrikas im Frühjahr 1999 tiefere Einblicke in die Kultur und das Leben der Menschen dort ermöglicht. Die für diese Unterrichtseinheit wichtigen Aspekte dieser Musikkultur stelle ich dar. Der Erfassung der Einstellung der zur untersuchenden Lerngruppe dient ein Pre- und Post-Fragebogen, den ich näher erläutere und zur Überprüfung der erreichten Lernziele am Ende der Arbeit auswerte. Zwei Kapitel widmen sich der Unterrichtspraxis.
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Vogt ermittelte bei einer Literaturrecherche, (Bücher der letzte 10 Jahre ohne Aufsätze) allein 50 Buchtitel, in denen "das Fremde" in unterschiedlichen Zusammenhängen auftaucht (vgl. Vogt 1998, S.3)